Ausgewähltes Werk
holdON auf Leinwand
holdON überführt die frühere digitale Konstellation in eine offenere, malerisch verdichtete Beziehungsszene.

Kurzbeschreibung
holdON überführt die frühere digitale Konstellation in eine offenere, malerisch verdichtete Beziehungsszene. Wieder stehen sich zwei Körper gegenüber, wieder ist ihre Annäherung von Distanz und Unsicherheit bestimmt; doch die Bildordnung ist nun reduziert und körperlicher gefasst. Eine fragile Verbindungslinie und eine mehrdeutige dunkle Form organisieren das Bild als Schwellenraum zwischen Isolation und Kontakt. Die Mitte bleibt ambivalent: Sie kann als Projektionsfläche für Erwartung, Bedrohung oder Angst gelesen werden und hält die Figuren zugleich auf Abstand wie in Beziehung. Freiheit erscheint hier nicht als Loslösung, sondern als Aushandlung – zwischen Schutz und Ausgesetztheit, Innen und Außen, Annäherung und möglichem Verlust.
Materialität & Verfahren
Die Arbeit ist in Acryl auf Leinwand ausgeführt und entwickelt ihre Spannung aus malerischer Setzung, räumlicher Anordnung und gezielter Reduktion. Die planetarischen Formen sind nicht mehr digital montiert, sondern als malerische Bildkörper gefasst, die die Figuren an den Randzonen halten und den Zwischenraum strukturieren. Die fragile Verbindungslinie bildet dabei kein sicheres Band, sondern eine prekäre Orientierung innerhalb eines instabilen Feldes. Die dunklen Punktsetzungen werden mit dem Zahnstocher in Acryl gesetzt; sie erzeugen eine taktile, leicht verletzliche Spur, die die zentrale Form verdichtet, ohne sie eindeutig festzulegen. Gerade darin liegt der Unterschied zur Version von 2017: Wo dort digitale Artefakte, Rauschen und Kanten die Kopplung als Störung sichtbar machten, wird dieselbe Problematik nun mit malerischen Mitteln verlangsamt und verdichtet. Die Schwelle erscheint nicht mehr als glitchhafte Unterbrechung, sondern als räumlich und materiell aufgebaute Zone der Ungewissheit.
Referenzen
Medium/Tools: Leinwand; Acryl; Zahnstocher
Technik: analoge Malerei; räumliche Setzung von Farbflächen und Figuren; Punktstruktur in Acryl
Kursorische Entwicklungskurve: Zwischen 2017 und 2024. verschiebt sich holdON von einer digital konstruierten, sichtbar gestörten Kopplung zu einer malerisch konzentrierten Schwellenstruktur. Die frühe Fassung entwickelt Beziehung aus Montage, Rauschen, Spiegelung und Artefakt – Verbindung erscheint als prekärer Sprung durch einen technisch und visuell aufgeladenen Zwischenraum. Die spätere Leinwandarbeit übernimmt diese Grundstruktur, reduziert sie jedoch auf wenige, räumlich wirksame Elemente: Sphäre, Figur, Linie, dunkle Mitte. Dadurch wird die Bildidee ruhiger, aber nicht einfacher. Die Störung verschwindet nicht, sie verlagert sich vom digitalen Bruch in die materielle und psychische Wiedersprüchlichkeit des malerischen Raums.
